Schlarbhofen
Schlarbhofen

Der Weg aus der Pfalz nach Kolbermoor

Der Weg aus Bärenerbach (Hunsrück) über Neu Siwatz, Rajevoselo, Rodheim Mfr. nach Kolbermoor-Schlarbhofen

Die Odysse der Sippe Schlarb

Auszüge aus einem Artikel von Hans Heyn aus dem OVB vom 15.12.1960

1792 - Maria Theresia, jene deutsche Kaisein, welche schwäbische und pfälzische Kolonisten in den Osten Ihres Reiches geschickt hatte, war schon tot, als sich in der Rheinpfalz nochmals junge, unternehmungslustige Landwirte zum Aufbruch rüsteten. In dem kleinen Dorf Bärenbach im Hunsrück war einer, der Nikolaus Schlarb hieß.

 

So brach an einem Tag des Jahres 1792, zwölf Jahre nach dem Tod der Kaiserin jener Nikolaus Schlarb mit drei Personen aus seiner Pfälzer Heimat nach dem Osten auf.

 

Wir wissen nicht, wie sie gereist sind, was sie mit sich führten und welche Hindernisse sich ihnen in den Weg stellten, bis sie die neue Heinmat erreicht hatten. Es ist nicht bekannt, ob der kleine Zug Wochen oder Monate brauchte. Aber wir wissen, dass dieser Aufbruch Anfang einer Siedlerge- schichte war, die in diesen Tagen ihren Anfang gefunden hat.

 

Nikolaus Schlarb ist der Patriarch der Sippe Schlarb, der grössten deutschen Kolonistenfamilie, die aus den Siedlerzügen des ausgehenden 18. Jahrhunderts hervorgegangen ist und sich trotz aller Fährnisse und Schicksalsschläge als eines der größten deutschen Bauerngeschlechter bis heute behauptet hat.

 

Neusiwatz, zwischen Donau und Theiß, in der Batschka gelegen, war die erste Gründung der Schlarbs. Es wurde der Ausgangspunkt für alle folgenden Siedlungen, für die Generationen, die als Donauschwaben in die Kolonisationsgeschichte eingegangen sind.

 

 1815 siedeln erstmals die Söhne der Kolonisten in Slawonien und Syrmien, zwischen Donau und Save. 1856 gründet Adam Schlarb den oben erwähnten Hof nördlich von Semlin, in Dobanovici. 11 Kinder entstammen dieser Ehe: Adam, Katharina, Walter, Heinrich, Jakob, Theresia, Peter, Christine, Franz, Karl und Johann.

 

Jahre später gründen die Söhne von Nikolaus Schlarb im Norden von Semlin bei Belgrad neue Höfe. 1887 wird dort Jakob Schlarb geboren, der heute als "der Ältere" allen ein Begriff ist.

 

 So zieht eines Tages Jakob Schlarb im Jahre 1919 vom Dorf seines Vater fort.

 

Rajevoselo heißt das Dorf an der Save, wo er mit seiner Frau einen Hof gründet. Er liegt 150 km von dem elterlichen Besitz entfernt. Der deutsche Name ist Paradiesdorf. Und das Leben, das hier jetzt seinen Anfang nimmt, ist gesegnet.

 

Dann beginnt der Krieg, und mit ihm kommt das Elend.

 

Zwanzig Männer aus der Sippe Schlarb kehren nicht mehr zurück.

 

Der schwärzeste Tag in der Geschichte dieses Bauerngeschlechts ist der 16. Oktober 1944.

 

"Ihr habt die Tränen nicht gesehen...." steht in der Chronik unter dem Datum dieses Tages. Während die Glocken vom Kirchturm von Rajevoselo klingen, setzt sich ein schier endlos scheinender Zug in Bewegung. Unter der Führung von Jakob Schlarb und seinem Bruder Franz zieht der Treck nach Westen. Es ist der Auszug aus dem Paradies.

 

1167 Personen, 629 Pferde und 315 Wagen, die alle mit Planen bespannt sind, zählt der Zug. Zwei Tage später passieren sie bei Esseg die Grenze nach Ungarn. Der Treck gelangt über Sopran (Ödenburg) nach Österreich. In dem Dorf Kallham in Oberösterreich findet der Zug seine erste Ruhe. Dort vergehen fast 2 Jahre, ehe die Schlarbs und andere Donauschwaben 1946 erneut aufbrechen. Die Fahrt beginnt in 45 Waggons und endet nach Tagen auf einem Bahnhof in Mittelfranken. Windsheim und Rodheim heißen die Orte, wo sie siedeln sollen, aber es bietet sich keine Möglichkeit. "Wir wollen keinen enteigneten Besitz"

 

Weihnachten 1946 verbringen sie alle gemeinsam. In dieser Notzeit ist der familiäre Zusammen- halt, das sichere Gefühl, miteinander verbunden zu sein, ihr größter Besitz. 73 Angehörige der Sippe sind am Heiligen Abend 1946 in Rodheim, Kreis Uffenheim, versammelt.

 

Die Wende kommt erst Jahre später. Am 15. Juni 1948 trifft eine kleine Gruppe der Schlarbs im Kreis Bad Aibling ein. Die Bayerische Landessiedlung hat ihnen die Panger Filze zur Kultivierung angeboten.

 

(Ausschnitt aus einem Bericht von Hans Heym im Oberbayerischen Volksblatt vom 15.12.1960)

 

 

 

 

Johann und Maria Schlarb mit 7 ihrer 11 Kinder

(aufgenommen 1944)

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© Kurt Möser